Histamin-Intoleranz – die unentdeckte Krankheit

/Histamin-Intoleranz – die unentdeckte Krankheit

Histamin-Kreide_16160921_sDie Histamin-Intoleranz ist eine Krankheit, die oft unentdeckt bleibt. Dabei kann es zu vielen verschiedenen Beschwerden kommen, die durch erhöhte Mengen des körpereigenen Stoffes Histamin ausgelöst werden.

Mögliche Beschwerden sind:

•    Reizdarm-Symptome wie Bauchschmerzen
•    Kreislaufprobleme, niedriger Blutdruck
•    Herzrasen, Herzrhythmusstörungen
•    Kopfschmerzen, Migräne
•    Schnupfen, verstopfte Nase (nach dem Essen)
•    “Rotwein-Unverträglichkeit”
•    Hautveränderungen, Urtikaria (Nesselsucht)
•    Flush (Hautrötung)
•    Asthma
•    Regelschmerzen

Die Symptome sind sehr vielfältig und wechselhaft, wodurch die Diagnose oft erschwert wird.

Histamin wird auch durch bestimmte Lebensmittel aufgenommen, so dass die Ernährung eine wichtige Rolle bei der Entstehung spielen kann und auch wichtig ist für die Therapie.

Die Diagnostik

Bei Verdacht auf eine Histamin-Intoleranz, z.B. aufgrund von Beschwerden nach dem Verzehr von entsprechenden Lebensmitteln u./o. einem Mangel an dem Enzym DAO im Labortest, besteht der wichtigste Schritt in der Durchführung einer sog. „diagnostischen Diät“. Bei diesem Auslassversuch sollte man sich mind. 14 Tage Histamin-arm bzw. -frei ernähren. Eine Liste mit entsprechenden Lebensmitteln erhalten Sie von uns. Wenn sich Ihre Beschwerden deutlich bessern, ist dies der entscheidende Hinweis für das Vorliegen einer Histamin-Intoleranz. Ergänzend kann noch ein Gen-Test gemacht werden.

DAO baut Histamin ab

DAO ist ein Enzym, das Histamin im Körper abbaut. Der Nachweis einer verminderten DAO (Diaminooxidase) im Bluttest ist ein Hinweis auf eine Histamin-Intoleranz, reicht aber leider alleine nicht aus für die Diagnose einer Histamin-Intoleranz. Ebenso kann aufgrund eines normalen DAO-Wertes eine Histamin-Intoleranz nicht ausgeschlossen werden! Entscheidend ist immer das Ergebnis der Histamin-armen Ernährung.

Erworbene oder echte Histamin-IntoleranzHistamin-Formel_25298632_s

Zum Abbau des Histamins benötigt das Enzym DAO bestimmte Vitamine als sog. Co-Faktoren (Vitamin B6, Kupfer, Vitamin C). Es kann ein Mangel an diesen Vitaminen vorliegen, der zu einer DAO-Schwäche führt und dies wiederum führt zu Histamin-bedingten Beschwerden. Daher sollte man einen möglichen Mangel durch eine Blutmessung abklären und ggf. ausgleichen. Auch durch eine Überversorgung mit Zink (-Tabletten) kann es zu einem Kupfer-Mangel und dadurch zu einem gestörten Histamin-Abbau und in der Folge zu Beschwerden durch einen Histamin-Überschuß kommen.

Gestörte Darmflora und andere Begleitfaktoren

Auch andere Faktoren wie erhöhter oxidativer-nitrosativer Stress (Stoffwechselstörung) oder eine gestörte Darmflora mit zu vielen Histamin-bildenden Bakterien können Auslöser für eine gesteigerte Histamin-Bildung sein und dadurch Beschwerden verursachen. Dann liegt keine „echte“ sondern eine erworbene Histamin-Intoleranz vor. Diese Phänomene erklären wahrscheinlich die vermeintliche Zunahme an Histamin-Intoleranzen, die wir seit einigen Jahren in der Praxis beobachten.

Therapie: weniger Histamin essen

Wenn die Diagnose gesichert ist, besteht die Therapie in dem Einhalten einer Histamin-freien bzw. armen Ernährung. Dazu erhalten Sie entsprechende Lebensmittel-Listen.
Bitte beachten Sie, dass auch Gluten (in Weizen) und Casein (Milch-Eiweiß) Beschwerden machen können und gemieden werden sollten. Außerdem ist (zumindest zu Beginn) eine Milchzucker/Laktose-arme Ernährung, eine Darmsanierung und eine Vitamin-Einnahme auf Basis von Laborwerten hilfreich.

Bei der Umsetzung einer Histamin-armen Ernährung im Alltag kann auf Wunsch eine spezialisierte Ernährungsberatung sinnvoll sein. Dafür bekommen Sie von mir einen Antrag auf Kostenübernahme für Ihre Krankenversicherung.

Langfristig kann man in der Regel wieder gewisse Mengen Histamin-haltiger Speisen vertragen und zwar abhängig vom individuellen Ausmaß der Histamin-Intoleranz (individuelle Toleranzschwelle).

DAO-Tabletten für Restaurant-Besuche

Für Ausnahme-Situationen (z.B. Restaurant) kann die Einnahme des Histamin-abbauenden DAO-Enzyms in Kapselform (DAOsin/DAOzym®)  und/oder von Histamin-Blockern (H1-Rezeptorenblocker) hilfreich sein. Auch die Einnahme eines Histamin-Blockers (z.B. Ceterizin®) bei Allergien und an den Tagen vor der Regel kann helfen, um z.B. Menstruations-Beschwerden zu lindern.

Bitte achten Sie darauf, DAO-hemmende Medikamente (siehe entsprechende Listen) und Präparate wie 5HTP (Serotonin-Vorstufe) und Melatonin zu vermeiden, da diese die Beschwerden verstärken können.

Tipp für Allergiker, z.B. bei Heuschnupfen: Histamin-arm essen

Für Allergiker kann eine Histamin-arme Ernährung als unterstützende Massnahme ebenfalls sehr sinnvoll sein, da auch die allergischen Beschwerden (z.B. bei einer Pollen- oder Hausstaub-Allergie) durch Histamin vermittelt werden.  Wenn ich weniger Histamin esse, senke ich ingesamt die Histamin-Belastung im Körper. Dadurch werden andere Massnahmen wie Allergen-Vermeidung und Anti-Allergie-Tabletten (Anti-Histaminika wie Ceterizin) unterstützt.

Zusätzlich gibt es bestimmte Vitamine und Pflanzenstoffe, die eine natürliche Anti-Histamin-Wirkung haben. Eine entsprechende Übersicht erhalten Sie in der Sprechstunde.

Nicht nur im Frühjahr können diese Massnahmen erfolgreich eingesetzt werden.
Wir halten zahlreiche weitere Informationen zu diesem Thema für Sie bereit.

Für einen Termin in meiner Sprechstunde wählen Sie bitte 040/6466 1760.

N. Schulz-Ruhtenberg
Facharzt für Allgemeinmedizin/Ernährungsmedizin/Sportmedizin
Tätigkeitsschwerpunkt Ernährungsmedizin (Ärztekammer Hamburg)

Das Buch zum Thema: Histamin und Seekrankheit von Prof. Jarisch

By | 2017-08-24T16:25:02+00:00 01. Oktober 2015|Ernährung, Krankheiten, Reizdarm|0 Kommentare

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