Darmbeschwerden und ‘Reizdarm’: auch an seltene Ursachen denken!

/Darmbeschwerden und ‘Reizdarm’: auch an seltene Ursachen denken!

Magen-Darm-TraktLeiden Sie unter Verdauungsstörungen, Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen, Durchfällen, Verstopfungen? Oft wird dann ein sog. “Reizdarm” festgestellt. Im folgenden eine Übersicht zu diesem häufigen Krankheitsbild:

Die Diagnose „Reizdarm“ wird in der Regel als Sammelbegriff für verschiedenste unklare Magen-Darm-Beschwerden verwendet. Eigentlich ist es eine sog. Ausschluß-Diagnose, d.h. es müssen zunächst andere auslösende bzw. zu Grunde liegende Erkrankungen ausgeschlossen werden, bevor man von einem „echten“ Reizdarm sprechen kann.

In der Praxis erlebt man oft die Situation, dass nur ein Bluttest, eine Magen- und/oder Darmspiegelung und evtl. noch ein Milchzucker-/Laktose-Test durchführt wird und dann, wenn diese Untersuchungen unauffällig sind, bereits von einem „Reizdarm“ gesprochen wird.

Dieses Vorgehen greift zu kurz und ist daher oft nicht hilfreich für den Patienten.

Der „Reizdarm“ kann eine Folge von verschiedenen Einflüssen und Störungen sein oder ein Symptom anderer Krankheiten. Diese Faktoren wie z.B. ungesunde Ernährung, zu viel Stress oder Störungen der Darmflora kommen oft gemeinsam vor.

Daher ist auch eine ganzheitliche Therapie wichtig, die möglichst alle Einflussfaktoren berücksichtigt. Es bringt wenig, wenn man z.B. ein unverträgliches Lebensmittel weglässt oder die Darmflora mit entsprechenden Mitteln therapiert, der Pat aber weiterhin zu schnell isst und dabei zu viel Luft schluckt, die sich als aufgeblähter Bauch, Blähungen und Aufstoßen bemerkbar machen.

Bei chronischen Magen-Darm-Beschwerden sollten daher zunächst mögliche zu Grunde liegende Störungen durch eine entsprechende gezielte Befragung des Patienten, verschiedene Untersuchungen und Tests abgeklärt werden.

Dazu gehören:

  • Störungen der Darmflora (sehr häufig, siehe unten)
  • Kohlenhydrat-Intoleranzen (Laktose, Fruktose, Sorbit)
  • FODMAP- und andere Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten
  • Glutensensitivität (Zöliakie-unabhängige Weizenempfindlichkeit)
  • Histamin-Intoleranz
  • Darm-Entzündungen
  • Darmpilze
  • Nahrungsmittel-Allergien
  • selten Zöliakie

Unabhängig davon oder zusätzlich sind individuelle Unverträglichkeiten und Stress-bedingte Beschwerden oft eine (Mit-) Ursache.

Diese Diagnostik sollte von einem erfahrenen Arzt begleitet und koordiniert werden. Erst danach ist einen gezielte Therapie möglich, die immer individuell auf den Patienten abgestimmt sein muss. Dies alles erfordert eine gute Mitarbeit von Seiten des Patienten!

Magen-Darm-Beschwerden durch eine gestörte Darmflora

Gerade wenn sich bei den allgemein-üblichen Untersuchungen (Blutbild, Utraschall, Magen-Darm-Spiegelung, Laktose-Test) keine Ursache für diese Beschwerden finden lassen, kann die Ursache für solche Krankheiten und Beschwerden oft (auch) im Bereich der Darmflora liegen.13013677_s

Im menschlichen Darm leben Millionen verschiedener Bakterienarten, dies bezeichnet man als Darmflora. Darunter gibt es viele lebenswichtige Bakterienarten mit wichtigen Aufgaben für die Gesundheit:

•    Verwertung und Verdauung von Nahrung, Vitaminen etc.
•    Schutz vor Infektionen, krankmachenden Erregern, Pilzüberwucherung
•    Unterstützung des Immunsystems
•    Förderung einer gesunden Verdauung und Stuhlgang

Diese gesunden und wichtigen Darmbakterien sind in ihrem Wachstum von unserer Nahrung und deren Zusammensetzung abhängig.

Bei einseitiger, falscher Ernährung (z.B. Fertiggerichte, hektischem Essen unter Stress) fördern wir das Wachstum bestimmter ungesunder Bakterienarten, während wir andere gesunde Darmbakterien am Wachstum hindern.

So wird bei ballaststoffarmer (wenig Gemüse) und zu Fett- und Eiweißreicher Ernähung (in Deutschland sehr häufig!) das Wachstum von Fäulnisbakterien gefördert. Diese Bakterien bilden große Mengen an Gas mit der Folge von Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen.

Zudem können schädliche Stoffwechselprodukte dieser Bakterien in das Blut übertreten. Mögliche Folgen sind Kopfschmerzen/Migräne, Gelenkbeschwerden oder chronische Müdigkeit.

Die „gefühlte“ Nahrungsmittel-Unverträglichkeit

Die Störung der Darmflora  verursacht eine insgesamt schwache Verdauungs-Leistung, d.h. viele Lebensmittel werden nicht mehr gut vertragen. Dadurch entsteht oft der Eindruck, dass man eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit hat.

Oft sind aber nicht die (hoffentlich gesunden) Lebensmittel an sich das Problem, sondern das kranke bzw. geschwächte Magen-Darm-Verdauungssystem. Nach einer entsprechenden Therapie (Darmsanierung) verbessert sich die Verdauungs-Leistung wieder und dann können viele gesunde Lebensmittel auch wieder vertragen werden.

Unabhängig von unseren Nahrungsgewohnheiten gibt es noch andere Möglichkeiten, wie die Darmbakterien geschädigt werden können und so Magen-Darm-Beschwerden entstehen können:

•    durch anhaltenden Stress (beruflich oder privat)
•    durch Antibiotika
•    unerkannte Unverträglichkeiten (Laktose, Fructose, Gluten)
•    durch die Aufnahme Allergie-erzeugender Nahrungsmittel und Substanzen,
•    durch Strahlen und/oder Chemotherapie

Durch die Schädigung der Darmbakterien kann es dann zu einer Schädigung der Darmschleimhaut kommen. Da die Darmschleimhaut einer der wichtigsten Bestandteile unseres Immunsystems ist (ca. 75% aller Zellen des Immunsystems finden sich im Bereich der Darmschleimhaut), wird über eine Schädigung der Darmschleimhaut oft auch das gesamte Immunsystem geschädigt bzw. geschwächt.

Mögliche Folgen: Allergien, eine erhöhte Infektanfälligkeit (häufige Erkältungen), Pilz- und Haut-Erkrankungen sowie ein allgemeines Unwohlsein und eine Leistungseinschränkung. Auch die Neurodermitis und andere Ekzemerkrankungen haben oft einen engen Bezug zu einer kranken Darmschleimhaut.

Das Leaky gut-Syndrom (“Löchriger Darm“)

Unter einem Leaky gut versteht man eine Störung der Darm-Barriere. Wussten Sie, dass nur noch ganz wenige Menschen in der westlichen Welt einen wirklich gesunden Darm haben? Die Ursache sind zu wenige Ballaststoffe (zu wenig Obst und Gemüse) und zu viele Lebensmittel-Zusatzstoffe. Konservierungsstoffe konservieren nicht nur Lebensmittel, sie wirken auch im Darm und töten dort die guten Bakterien.

Man kann so gesund essen, wie man will: Wenn der Darm die Nahrung nicht ordentlich aufnimmt, wird man auf Dauer krank und übergewichtig. Dabei ist wahrscheinlich gar nicht einmal das Problem, dass wir zu wenig aufnehmen, sondern zu viel vom Falschen (sog. “Hyperpermeabilitätssyndrom des Darms“).

In der Medizin werden diese Veränderungen der Darmschleimhaut als “Leaky-Gut-Syndrom” bezeichnet (der leckende Darm).

Ein kranker Darm ist löchrig („Leaky-gut-Syndrom“). Durch diese zu großen Löcher gelangen Bruchstücke ins Blut, die nicht fertig verdaut sind und dort nicht hingehören. Sie fördern im Körper Entzündungen und Allergien. Und diese können krank machen und Übergewicht fördern.

Nicht nur krankmachende Darmbakterien und Pilze bilden Verdauungsgifte, sondern auch gesunde Bakterien. Normalerweise werden diese Gifte von einer gesunden Schleimhaut zurückgehalten. Beim “Leaky-Gut-Syndrom” ist die Schleimhaut so gestört, dass auch normale Verdauungsgifte in den Körper gelangen.

Durch eine spezielle Blut- und Stuhluntersuchung lässt sich die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut bestimmen.

Eine gesunde Darmschleimhaut nimmt keine Allergene auf, da diese durch das in der Schleimhaut befindliche Immunsystem sofort erkannt und unschädlich gemacht werden. Beim “Leaky-Gut-Syndrom” können Allergene ungehindert die Darmwand durchdringen und so eine generalisierte Allergie oder eine Nahrungsmittelallergie auslösen. Um zu verhindern, dass Allergene auf diese Weise in den Körper gelangen, muss sich die Schleimhaut wieder regenerieren und schließen. Dazu ist es notwendig, probiotische, effektive Mikroorganismen über einen längeren Zeitraum einzunehmen. Diese speziellen Mikroorganismen ernähren, reinigen die Darmschleimhaut und können die Schleimhautfunktion wieder herstellen.

Ziel ist es, die erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut wieder zurückzubilden und eine intakte Darmflora aufzubauen. Die Regeneration, d.h. die Wiederherstellung der Schleimhautfunktion, dauert je nach Ausgangssituation mehrere Monate bis zu 1,5 Jahre. In dieser Zeit ist es wichtig, den Darm bzw. die Darmschleimhaut mit den richtigen, gesunden Bakterien durchgehend zu therapieren.

Video zum Leaky gut (Darmbarrierestörung):

„Man lebt nicht von dem, was man isst, sondern von dem, was man im Darm aufnimmt.“

Diagnostik: Die Stuhlflora-Analyse

Vor der Therapie steht bekanntlich die Diagnostik. Durch eine spezielle Darmflora-Analyse (Stuhlprobe) kann man Informationen erhalten über die Zusammensetzung der Darmbakterien, verschiedene Verdauungsbestandteile und noch einige Stoffe, die Aufschluß über Entzündungsvorgänge im Darm und Zustand der Darmschleimhaut und des Immunsystems geben. Diese Untersuchung wird als Stuhlflora-Analyse bezeichnet (IGeL-Selbstzahlerleistung für gesetzlich Versicherte).

Aufgrund des Ergebnisses dieser Analyse erhalten Sie konkrete Therapie- und Ernährungs-Empfehlungen, die Ihre Verdauung und die Regeneration Ihrer Darmschleimhaut und Ihres Immunsystems unterstützen. Parallel sollten evtl. noch andere Untersuchungen gemacht werden, um weitere Störfaktoren auszuschließen.

Die Art und der Umfang der Therapie hängt wesentlich von Ihren Untersuchungsergebnissen ab. Die individuell beste Behandlungsform zeigt sich oft erst im Verlauf der Therapie. In der Regel kann ein Therapieerfolg nicht in wenigen Tagen oder Wochen geschehen! Die Therapie erfordert daher Ihre Mitarbeit und Disziplin bzgl. Ihrer Eßgewohnheiten und Ihre Geduld – mit allem zusammen können Sie ans Ziel kommen!

Gute Besserung wünscht Ihnen
N. Schulz-Ruhtenberg
Facharzt für Allgemeinmedizin/Ernährungsmedizin/Sportmedizin
Tätigkeitsschwerpunkt Ernährungsmedizin (Ärztekammer Hamburg)

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Anhang:

Die häufigsten Ursachen für eine Schädigungen der gesunden und lebenswichtigen Darmflora und eine Vermehrung von potentiell schädlichen Bakterien:

  • häufige Therapie mit Antibiotika
  • Verzehr von mit Antibiotika belasteten Lebensmitteln, insbesondere Fleisch
  • Diverse Landwirtschaftsgifte, z. B. Pestizide
  • Dauerhaft eingenommene Medikamente, die den pH-Wert im GIT verändern, z. B.
  • Protonenpumpenhemmer (Magensäure-Blocker wie Omeprazol), aber auch naturheilkundliche „Basentabletten“
  • Stressbelastungen (Folge u.a. vermehrte Histaminausschüttung)
  • Unzureichend gekaute Nahrung, hektisches Essen, Fehlverhalten bei der Nahrungsaufnahme generell
  • Chronische erregerbedingte Infektionen, z. B. mit Parasiten
  • Chronische nicht-erregerbedingte Entzündungen unterschiedlicher Genese (Histaminose, Zöliakie/Sprue, Laktoseintoleranz)
  • Unerkannte und somit unbehandelte Störungen der Bauchorgane, wie z. B. Schwäche der Bauspeicheldrüsen-Verdauungsenzyme (exokrine Pankreasinsuffizienz), Gallestörungen
  • Verzehr Entzündungs-fördernder Nahrungsmittel
  • Belastungen mit toxischen Metallen, z. B. Aluminium durch E-Stoffe oder Medikamente
  • Strahlen- und Chemotherapie
  • Lebensstilbedingte Verstopfung durch Bewegungsmangel und Ernährungsfehler

Die menschliche Mikrobiota (Darmflora) hat sich in der Evolution über mehrere Millionen Jahre entwickelt. Viele der oben genannten Einflüsse sind vor allem in den letzten 50 Jahren entstanden. Die Mikrobiota kann sich nicht innerhalb dieser kurzen Zeit auf veränderte Lebens- und Essgewohnheiten umstellen.

Gemüse_BüffetKrankheiten, die durch einen kranken Darm (mit-) verursacht werden können:

•    Migräne
•    Angstzustände,
•    Allergien,
•    Neurodermitis
•    Immunschwäche
•    Infektanfälligkeit
•    Heuschnupfen
•    Herz-Blutgefäßerkrankungen
•    Asthma
•    Chronische Müdigkeit
•    chronische Schmerzleiden
•    Konzentrationsmangel
•    Rheuma
•    Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom
•    Depressionen

By |2018-08-08T17:50:34+00:0023. Juni 2015|Allgemein, Reizdarm|0 Kommentare